Auffallend erfolgreich dank Guerilla-Bewerbung

Zugegeben: Die Idee der Guerillabewerbung ist im Jahre 2020 nicht mehr wirklich neu. Zeitweise konnte man gar den Eindruck gewinnen, Recruiter würden mit Guerillabewerbungen nur so überschwemmt. Dass dies nicht zutrifft, ob und wie man auch heute noch mit einer Guerillabewerbung punkten kann, erklären wir dir in diesem Beitrag.

Auffallend erfolgreich dank Guerilla-Bewerbung
Autor: Dipl.-Wirt.-Inf.
Beitrag aktualisiert: 18.10.2020
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Was ist eine Guerilla-Bewerbung?

Das spanische Wort „Guerilla“ bedeutet „kleiner Krieg“ und bezieht sich auf ungewöhnliche Taktiken, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen. Wer im Jahr 2020 auf sich aufmerksam machen möchte und nicht davor zurückschreckt, ungewöhnliche Wege zu beschreiten, sollte die Form einer Guerillabewerbung in Betracht ziehen.

Die Guerillabewerbung ist eine auffällige Bewerbung, die sich durch ihre Form, manchmal auch durch ihren Inhalt, von der Standardbewerbung abhebt.

Als bekanntestes Beispiel gilt bis heute die Werbe-Aktion des Briten Adam Pacitti. Dieser soll mit seinem letzten Geld eine Bewerbung auf einer Plakatwand finanziert haben, woraufhin er rund hundert Jobangebote erhielt. Ein weiteres Beispiel für beliebte Guerillabewerbungen ist das berühmt-berüchtigte Schwimmflügel-Päckchen, welches zusammen mit Lebenslauf und Bewerbungsanschreiben an so manchen Personaler verschickt wurde.

Beigefügt war die Notiz:

In der Hoffnung, meine Bewerbung möge nicht untergehen …

Eine Guerillabewerbung stellt also vor allem den Versuch dar, mittels origineller Ideen die Aufmerksamkeit der Personalmanager zu erregen. Im Falle der Schwimmflügel-Päckchen machte sich allerdings zügig Enttäuschung breit, da diese Bewerbungsmethode so häufig kopiert wurde, dass sie ganz und gar nicht mehr rührend wirkte.

Wie setzt sich eine Guerilla-Bewerbung zusammen?

Neben den üblichen Unterlagen wie Zeugnissen, Referenzen und Lebenslauf, gesellen sich zu einer Guerillabewerbung mitunter Aufmerksamkeit erregende Videos, Memes oder andere Utensilien, die auf irgendeine Art und Weise mit der Bewerbung, dem Bewerber oder dem Unternehmen in Zusammenhang stehen.

So lange die Einfälle nicht unter die Gürtellinie reichen, sind der Fantasie des Bewerbers keine Grenzen gesetzt. Zu den häufigeren Accessoires einer Guerillabewerbung zählen z.B. Legofiguren, Pinnwände und Lebensläufe in Form eines Organigramms. Stefan Raab soll seinen Bewerbungen ein Honigglas beigefügt haben – mit der Begründung, der Personalchef könne sich selbst „Honig ums Maul schmieren“.

Ausgefallene Bewerbungen wollen in erster Linie Aufmerksamkeit erregen. Wer nicht davor zurückschreckt, sich möglicherweise zu sehr in den Vordergrund zu spielen, kann auch im Jahr 2020 noch mit einer Guerillabewerbung punkten. So ließ erst kürzlich ein Bewerber seinen Lebenslauf auf der Lieblingspizza des Personalchefs eines großen Unternehmens befestigen und wurde umgehend eingestellt. Eines ist daher sicher: „Untergehen“ wirst du mit deiner Guerillataktik nicht so leicht.

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Für wen macht eine Guerilla-Bewerbung Sinn?

Nicht jedem Bewerber liegt eine Guerillabewerbung. Bist du beispielsweise eher zurückhaltend, ein wenig introvertiert und siehst deinen Beruf als verantwortungsvolle Tätigkeit, dürfte der humorvolle Charakter dieser Art von Bewerbung dich eher abschrecken. Daher wäre es wenig sinnvoll, diese Taktik trotzdem – nur der Aufmerksamkeit wegen – zu wählen, weil Personalchefs Authentizität bevorzugen. In einem Bewerbungsgespräch würde schnell bemerkt, dass eine Guerilla-Bewerbung nicht zu dir passt.

Ähnliches gilt für den Arbeitgeber. Präsentiert dieser sich eher konservativ, traditionsbewusst oder streng geschäftlich, solltest du lieber von einer Guerilla-Bewerbung absehen. Zwar wollen viele Betriebe sich verjüngen und werben damit, die Pflicht zur Krawatte abgeschafft zu haben und „flache Hierarchien“ zu bevorzugen. Bis dieses neue Mindset jedoch in alle Etagen vorgedrungen ist, braucht es seine Zeit.

Chancen und Risiken abwägen

Liegt dir wirklich viel an einem Unternehmen, kann es möglicherweise auch im Fall von traditionelleren Betrieben einen Versuch wert sein, sich der Guerilla Bewerbung zu bedienen. Angenommen, du schätzt deine Chance mit einer konventionellen Bewerbung eher schlecht ein, ist es durchaus hilfreich, auch bei eher zugeknöpften Firmen (z.B. aus der Finanzbranche) eine Guerillabewerbung abzuwägen. Vielleicht gibt sie dem Recruiter den entscheidenden Push, ausgerechnet dich zu kontaktieren. In diesem Fall wärst du zwar ein Risiko eingegangen, es hätte sich aber ausgezahlt.

Ganz anders hingegen, wenn du mit einer normalen Bewerbung ziemlich sicher sein kannst, dass das Unternehmen ausgerechnet dich braucht. Verfügst du beispielsweise über herausragende IT-Kenntnisse oder eher seltene Qualifikationen, die händeringend gesucht werden, ist eine Guerilla Bewerbung eher schädlich. Abzuwägen bleibt also immer, ob es nötig ist, das Risiko dieser Bewerbungsart einzugehen.

Vor- und Nachteile einer Guerilla-Bewerbung

Die Vorteile sind besonders dort offensichtlich, wo es viele Bewerber auf wenige Stellen gibt. Wer als Personaler Hunderte von eintönigen und äußerst ähnlichen Lebensläufen zu verdauen hat, freut sich vielleicht über eine außergewöhnlich präsentierte Bewerbung. Doch auch hier ist Vorsicht geboten! Es hat sich in Personalabteilungen mittlerweile herumgesprochen, dass einige Bewerber vor allem deswegen auf die Taktik einer Guerillabewerbung zurückgreifen, um damit Schwächen in Fähigkeiten oder Charakter zu überdecken.

Das bedeutet im Ernstfall für dich: Deine Bewerbung fällt nicht nur auf, sondern wird tatsächlich genau unter die Lupe genommen.

Nachteile sind insbesondere dort festzustellen, wo Recruiter bereits viele Guerillabewerbungen erhalten haben und oft enttäuscht wurden. Daher solltest du dich unbedingt fragen:

  • Wie sicher bin ich mir, dass ich zu dem Unternehmen passe?
  • Möchte ich wirklich unbedingt dort arbeiten?
  • Wie setze ich mich am besten gegen 500 Mitbewerber durch?

Nach reiflicher Überlegung und ausreichend Argumenten für diese auffällige Art von Bewerbung steht deiner ganz persönlichen Guerilla-Taktik nichts mehr im Weg.

Recherche ist alles!

Nachdem du eine Liste mit Unternehmen zusammengestellt hast, welche du dir als potentiellen Arbeitgeber vorstellen kannst, beginnt der schwierige Teil der Recherche. Doch in Zeiten des Internets ist es nicht mehr allzu kompliziert, wichtige Informationen ausfindig zu machen. Nahezu alle Betriebe sind in den Sozialen Medien vertreten. Beobachte dort ihren Umgang mit ihren Followern. Wie kommuniziert die Firma mit Kunden, mit den Medien? Aus dem Kommunikationsstil lässt sich einiges herauslesen, was für dich wichtig ist:

  1. Präsentiert sich ein Unternehmen streng geschäftlich und spricht seine Leserschaft gar nicht oder mit „Sie“ an, solltest du diesen Stil bei deiner Bewerbung berücksichtigen.
  2. Verfügt dein Zielunternehmen eher über eine lockere Sprache, postet Memes und lustige Videos, wird es einer Guerillabewerbung gegenüber aufgeschlossener sein.

Grenzen des guten Geschmacks

Tatsächlich gibt es Beispiele für Guerillabewerbungen, die ziemlich „in die Hose“ gegangen sind. Das Verschicken leerer Umschläge, nur mit dem Hinweis versehen, der Recruiter möge bitte selbst recherchieren, ist ein Beispiel für misslungene Guerilla-Taktik. Außerdem sind auch die berüchtigten Klorollen-Bewerbungen alles andere als amüsant. Darüber hinaus nervt alles, was den Personalverantwortlichen zusätzliche Arbeit aufbürdet. Der/die Arme muss sich mit Tausenden von Bewerbern befassen! Jeder Einzelne verlangt Wertschätzung und möchte individuell wahrgenommen werden. Zusätzliche Recherche macht den zuständigen Personaler da eher ungehalten bis wütend.

Es ist außerdem wichtig, dass du darüber nachdenkst, ob es wirklich zielführend ist, sich bei Behörden mit einer Guerillabewerbung Aufmerksamkeit zu verschaffen. Auch wenn sich heutzutage z.B. einige Polizeibehörden als sehr internetaffin und offen gerieren, bedeutet dies nicht, dass du mit einer ungewöhnlichen Bewerbung deine Chancen auf einen Arbeitsplatz dort erhöhst. Ähnliches gilt für Finanzämter, Krankenhäuser, Schulen und die öffentliche Verwaltung. Vielen Arbeitgebern bedeutet Zuverlässigkeit und Seriosität mehr als Kreativität.

Bist du dir unsicher, ob deine Guerillabewerbung geschmackvoll und angemessen für ein bestimmtes Unternehmen ist, frage Freunde, Tutoren und Kommilitonen um Rat. Außenstehende bieten oftmals wertvolle Anregungen und entdecken Fehler, die einem selbst nicht aufgefallen wären. Desweiteren verfügen sie über den nötigen Abstand, um interessante von eher stillosen Einfällen zu unterscheiden.

Fazit

Eine Guerillabewerbung kann sich auszahlen, wenn sie sowohl zum Bewerber als auch zum Unternehmen passt. Sie birgt allerdings das Risiko, sich lächerlich zu machen oder auf einen humorlosen Recruiter zu stoßen. Aus diesem Grund sollte sie nur selten und vor allem gezielt zum Einsatz kommen – nämlich dann, wenn Auffälligkeit nützlich ist, d.h. eine hohe Bewerberdichte herrscht. Wer diese Faktoren bei seiner Entscheidung berücksichtigt, kann unter Umständen mit einer Guerillabewerbung erfolgreich sein. Es lohnt sich daher für dich, gut zu recherchieren, ausgefallene Ideen behutsam umzusetzen und darauf zu achten, den Arbeitsaufwand für den Personaler nicht zu vergrößern. So steht deiner auffälligen und gut inszenierten Bewerbung nichts mehr im Weg!

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