Checkliste für dein Arbeitszeugnis

Vom nicht verwendeten Firmenpapier bis "viel Glück" für die berufliche Zukunft - überprüfe dein einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis mit unserer Checkliste auf Fehler.

Checkliste für dein Arbeitszeugnis

Das Arbeitszeugnis ist die Grundlage für spätere Bewerbungen. Es verschafft dem neuen Arbeitgeber ein Bild über dich und deine beruflichen Leistungen. An dieser Stelle haben wir häufige Fehler zusammengestellt, die in deinem Arbeitszeugnis nicht auftauchen sollten. Findest du dein Arbeitszeugnis dennoch wieder, lohnt es sich unter Umständen, für dein Arbeitszeugnis eine Korrektur von deinem früheren Arbeitgeber anzufordern.

1. Es wird kein Firmenpapier verwendet

Wenn der Arbeitgeber ein offizielles Geschäftspapier für seine geschäftliche Korrespondenz verwendet, so muss er den Firmenbogen auch zur Erstellung deines Arbeitszeugnisses verwenden. Ansonsten ist das Arbeitszeugnis nicht ordnungsgemäß. Darüber hinaus muss das Arbeitszeugnis in einer einheitlichen Maschinenschrift geschrieben sein.

Diese Rahmenbedingungen hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) bereits 1992 in einem Urteil erwirkt. Denn nur so erscheint dein Arbeitszeugnis auch in seiner äußeren Form „zum Unternehmen gehörig“.

2. Das Ausstellungs­datum weicht vom Austrittsdatum ab

Das Ausstellungsdatum ist die zeitliche Angabe, die am Ende deines Arbeitszeugnisses neben dem Ort und der Unterschrift deines Vorgesetzten steht.

Wenn mehr als 3 Monate zwischen dem Ausstellungsdatum und dem Austrittsdatum des Mitarbeiters liegen, wird schnell der Eindruck entstehen, dass es in der Zwischenzeit Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht gab. Natürlich kann das auch andere Gründe haben, wie zum Beispiel Personalengpässe infolge von Urlaub oder Krankheit. Schildere deinem Arbeitgeber dennoch, dass es dadurch zu einer Abwertung deines Arbeitszeugnisses kommen kann.

Im umgekehrten Fall kann auch ein Ausstellungsdatum, dass VOR dem Austrittsdatum liegt, negativ gewertet werden. Es könnte die fristlose Kündigung oder eine Außerdienststellung des Mitarbeiters unterstellt werden. Leider ist das in der Praxis häufig der Fall, wenn der Arbeitgeber den letzten Arbeitstag des Mitarbeiters verwendet, im Anschluss aber häufig noch Resturlaub genommen wird.

Im Idealfall sollte das Ausstellungsdatum mit dem Austrittsdatum übereinstimmen. Lass dein Arbeitszeugnis entsprechend vor- oder zurückdatieren.

3. Die Zeugnis­einleitung ist passiv formuliert

Eine passive Einleitung ist zum Beispiel

Gern bestätigen wir, dass Frau Mustermann vom 01.01.2017 bis zum 12.12.2017 bei uns in der Software-Testabteilung beschäftigt war.

Passive Formulierungen stehen allerdings immer für einen unselbständigen und zurückhaltenden Mitarbeiter.

Stattdessen sollte die Einleitung im Aktiv formuliert sein, zum Beispiel mit

Frau Mustermann war bei uns vom 01.01.2017 bis zum 12.12.2017 in der Software-Testabteilung tätig.

Beachte bei dem Beispiel auch, dass nichts mehr „bestätigt“ oder „bescheinigt“ wird, denn mit solchen Formulierungen distanziert sich der Arbeitgeber vom Mitarbeiter.

4. Tätigkeits­beschreibung ist nicht komplett

Die Tätigkeitsbeschreibung ist Kernstück des Arbeitszeugnisses und sollte deine wichtigsten Aufgaben enthalten, die du im Laufe deiner Firmenzugehörigkeit wahrgenommen hast. Achte also darauf, dass die Liste komplett ist! Mindestens 5 Aufgaben sollten aufgeführt werden.

Stelle deinem Arbeitgeber am besten bereits im Vorfeld selbst eine gut strukturierte Liste zur Verfügung. Die Reihenfolge der Tätigkeiten erfolgt nach Wichtigkeit und Verantwortung. Routineaufgaben werden erst zum Schluss genannt.

Wenn du mehreren Positionen wahrgenommen hast, dann gibt es auch mehrere Tätigkeitsbeschreibungen.

5. Leistungs­einschätzung enthält nur Standard­formulierungen

Viele Standardformulierungen können auf einfache Weise in Einzelnoten übersetzt werden. Natürlich kann die Leistungseinschätzung daher auch leicht mit einem Arbeitszeugnisgenerator erstellt werden. Das bloße Verwenden standardisierter Formulierungen zeigt dem Arbeitgeber aber die fehlende Individualität. Achte also darauf, dass die Standardformulierungen immer einen Bezug zu konkreten Fähigkeiten und Aufgaben aufweisen.

Ein Beispiel:

Frau Mustermann verfügt über ein sehr gutes konzeptionelles und pragmatisches Urteils- und Denkvermögen in der Erstellung von Teststrategien und Testkonzepten sowie deren Bewertung.

6. Typische Merkmale des Berufs werden nicht genannt

Ein Arbeitszeugnis, das keine berufstypischen Merkmale enthält, ist ebenfalls kritisch anzusehen. Das könnte nämlich bedeuten, dass der Mitarbeiter über die Eigenschaften einfach nicht verfügt!

So sollten zum Beispiel bei einer Verkäuferin Eigenschaften, wie Ehrlichkeit, Kundenumgang, Freundlichkeit und Begeistungsfähigkeit aufgeführt werden. Für einen Buchhalter sind wiederum ein gutes Zahlenverständnis, Detailorientierung und eine analytische Begabung unerlässlich.

7. Besondere Aufgaben und Projekte werden nicht genannt

Das Arbeitszeugnis muss auf den Mitarbeiter zugeschnitten werden. Diese Individualisierung zeigt dem Leser die Wertschätzung des Arbeitgebers gegenüber dem Mitarbeiter und die Unverwechselbarkeit des Arbeitszeugnisses. Zudem bedeuten besondere Aufgaben auch, dass der Mitarbeiter mehr als nur die Pflichtkür absolviert hat.

Unerlässlich ist es daher, einige Projekt und Sonderaufgaben zu nennen, die du im Laufe deiner Tätigkeit wahrgenommen hast. Das können Verbesserungen in firmeninternen Abläufen, Gewinnmaximierung oder auch Urlaubsvertretungen sein. Grundaufgaben laut Stellenbeschreibung gehören allerdings nicht dazu!

Reflektiere also gründlich deine Zeit der Betriebszugehörigkeit und halte nach besonderen Erfolgen Ausschau. Teile diese dann deinem Vorgesetzten mit.

8. Internes und externes Sozialverhalten sind missverständlich

Das Arbeitszeugnis enthält auch einen Block zum Sozialverhalten. Hier wird beschrieben, wie du dich gegenüber deinen Vorgesetzten, Kollegen sowie Kunden und externen Partnern verhalten hast. Es sollten immer alle Beteiligten erwähnt werden, mit denen du in Kontakt standest. Wird zum Beispiel nur erwähnt, dass du dich gegenüber Kollegen und Kunden stets einwandfrei verhalten hast, besagt dies, dass es wahrscheinlich ständig Probleme mit den Vorgesetzten gegeben hat.

Die Formulierung könnte lauten:

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets einwandfrei. Zudem hat Frau Mustermann unsere Kunden stets sehr freundlich und fachgerecht bedient.

Bitte beachte bei dem Beispiel die Reihenfolge der aufgeführten Personengruppen. Zuerst werden Vorgesetzten, dann Kollegen und zuletzt Kunden und Partner genannt. Die Reihenfolge ist fest vorgegeben! Würden zum Beispiel die Kunden VOR den Vorgesetzten genannt werden, signalisiert das dem Leser, dass du die Belange deiner Kollegen über die der Vorgesetzten gesetzt hast.

Auch wenn es mal Ärger mit deinem Vorgesetzten gab, sowas darf das Arbeitszeugnis nicht belasten. Für die Bewertung des internen und externen Sozialverhaltens ist der gesamte Zeitraum der Firmenzugehörigkeit anzusetzen.

9. Fort- und Weiterbildungen werden nicht aufgeführt

Nicht jede Weiterbildung gehört in das Arbeitszeugnis – umfangreiche Bildungsmaßnahmen dagegen schon. Diese belegen neben deinen Fachkenntnissen auch deine Lernbereitschaft. Aus den Weiterbildungen sollte auch der Nutzen für das Unternehmen deutlich werden.

10. Schlechte Gesamt­bewertung

Der Abschnitt zu deiner Leistungsbewertung endet meist mit einer zusammenfassenden Beurteilung der Gesamtleistung. Diese Formulierung ist standardisiert. Das hat zur Folge, dass selbst eine kleiner Umformulierung zu gravierenden Unterschieden in der Bewertung führen kann.

Du kannst dich an folgenden Formulierungen orientieren:

Sie hat Ihre Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. (Note 1)
Sie hat Ihre Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt. (Note 2)
Sie hat Ihre Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erfüllt. (Note 3)
Mit Ihren Leistungen waren wir zufrieden. (Note 4)
Mit Ihren Leistungen waren wir im Großen und Ganzen zufrieden. (Note 5)
Sie hat sich bemüht, die Ihr übertragenen Aufgaben zu erfüllen. (Note 6)

11. Es gibt keine Angaben zur Kündigung

Angaben zum Kündigungsgrund müssen im Arbeitszeugnis nicht gemacht werden. Du kannst den Grund für die Kündigung aber auf Wunsch in dein Arbeitszeugnis aufnehmen lassen. Bestimmte Gründe wirken sich nämlich positiv aus! Außerdem lässt eine fehlende Angabe immer Raum für Vermutungen.

Es wird zwischen diesen Kündigungsgründen unterschieden:

  1. Eigenkündigung durch den Mitarbeiter
    Du beendest das Arbeitsverhältnis aus eigenem Wunsch. Dies ist positiv zu werten, da der Wechsel meist mit einer neuen Anstellung und einer beruflichen Weiterentwicklung verbunden ist.
    Beispiel: Herr Mustermann verlässt uns auf eigenen Wunsch.
  2. Kündigung durch den Arbeitgeber
    Eine betriebsbedingte Kündigung ist ebenfalls positiv zu werten. Schließlich trifft dem Mitarbeiter keine Schuld.
    Beispiel: Das Arbeitsverhältnis wurde betriebsbedingt beendet.
    Bei einer fristlosen Kündigung ist das allerdings anders. Oft ist eine fristlose Kündigung am Wort „trennen“ zu erkennen.
    Beispiel: Wir trennten uns am 31.05.2018.
  3. Vertragsende aufgrund einer Befristung
    Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses aufgrund der Befristung ist positiv zu werten. Es handelt es sich um den regulären Ablauf des Arbeitsvertrages zu einer vereinbarten Zeit.
    Beispiel: Das befristete Arbeitsverhältnis endet mit Ablauf der vereinbarten Zeit.
  4. Kündigung im beiderseitigen Einvernehmen
    Bei der Kündigung im beiderseitigen Einvernehmen ist meist ein Aufhebungsvertrag oder ein Vergleich im Spiel. Da sich für gewöhnlich der Arbeitgeber vom Mitarbeiter trennen will, ist der Kündigungsgrund eher negativ zu werten.
    Beispiel: Das Arbeitsverhältnis wird im gegenseitigen Einvernehmen beendet.

12. Abschluss enthält keine Danksagung und Bedauern

Das Arbeitszeugnis kann mit Danksagungen über die geleistete Arbeit und dem Bedauern über das Ausscheiden des Mitarbeiters abgeschlossen werden. Leider besteht kein gesetzlicher Anspruch auf die Aufnahme der Dankes- und Bedauerns-Formel. Du kannst deinen Vorgesetzten aber gern bitten, den Passus in dein Arbeitszeugnis aufzunehmen. Schließlich drückt er damit seine Anerkennung für die geleistete Arbeit aus.

13. Mehrdeutige Zukunfts­wünsche

Neben der Dankes-Bedauerns-Formel wünscht dir der Arbeitgeber im Abschlusssatz für gewöhnlich noch alles Gute für den weiteren Berufs- und Lebensweg und weiterhin viel Erfolg. Mit der Formulierung „und weiterhin viel Erfolg“ wird bestätigt, dass du in deiner beruflichen Tätigkeit wirklich erfolgreich gearbeitet hast. Das Wort „Glück“ sollte hingegen nicht auftauchen, denn damit wird deutlich, dass du über zu wenig Kompetenzen verfügt und daher auf Glück angewiesen bist.

Wir hoffen, dir mit unseren Tipps weitergeholfen zu haben. Gern kannst du dich auch an einem der Musterzeugnisse orientieren oder dein eigenes Arbeitszeugnis bei uns kostenlos bewerten lassen.

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