Arbeitszeugnis anfordern - das sollten Sie beachten!

Erfahren Sie, wie Sie von Ihrem Arbeitgeber ein einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis anfordern - mit zwei Musterschreiben als Vorlage. Zudem sehen Sie, welche Fristen dabei zu beachten sind und was Sie tun können, wenn der Arbeitgeber Ihnen die Ausstellung des Arbeitszeugnisses verweigert.

Arbeitszeugnis anfordern - das sollten Sie beachten!

Sie, als Arbeitnehmer, haben in Deutschland mit Beendigung des Arbeitsverhältnisses einen gesetzlichen Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Die gesetzliche Grundlage dazu bildet das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) § 630.

BGB § 630 Pflicht zur Zeugniserteilung
Bei der Beendigung eines dauernden Dienstverhältnisses kann der Verpflichtete von dem anderen Teil ein schriftliches Zeugnis über das Dienstverhältnis und dessen Dauer fordern. Das Zeugnis ist auf Verlangen auf die Leistungen und die Führung im Dienst zu erstrecken. Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen. Wenn der Verpflichtete ein Arbeitnehmer ist, findet § 109 der Gewerbeordnung Anwendung.

Quelle: Gesetze im Internet

Der Anspruch gilt unabhängig vom Beschäftigungsverhältnis, d.h. sowohl Praktikanten und Auszubildende, als auch Festangestellte können ein Zeugnis von ihrem Arbeitgeber einfordern. Der Anspruch ist zudem unabhängig von der Arbeitszeit (Teilzeit oder Vollzeit) und auch davon, ob der Beschäftigung ein zeitlich befristeter Arbeitsvertrag zugrunde liegt. Der Arbeitgeber muss das Arbeitszeugnis allerdings erst auf Verlangen des Mitarbeiters ausstellen. Der Mitarbeiter fordert das Zeugnis aktiv vom Arbeitgeber ein!

Sie können ein einfaches Arbeitszeugnis ODER ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangen – für eine Zeugnisart müssen sich allerdings entscheiden. Haben Sie ein einfaches Arbeitszeugnis angefordert und erhalten, ist damit der Zeugnisanspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis erloschen.

Das einfache Arbeitszeugnis enthält Angaben zum Unternehmen, dem Mitarbeiter, die Dauer des Dienstverhältnisses sowie die Berufsbezeichnung. Zudem werden alle Tätigkeiten aufgezählt, die der Mitarbeiter während der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses wahrgenommen hat. Das qualifizierte Arbeitszeugnis erweitert diese Angaben um eine Beurteilung der Leistungen und Kompetenzen des Mitarbeiters. Mehr dazu in den Fragen und Antworten zum Arbeitszeugnis.

Welche Fristen sind zu beachten?

Nun stellt sich die Frage, ob das Arbeitszeugnis zu jedem späteren Zeitpunkt angefordert werden kann oder ob es zeitliche Fristen (sogenannte Ausschlussfristen) gibt. Bei den Ausschlussfristen muss zunächst nach der Art des angeforderten Zeugnisses unterschieden werden.

Frist zum Anfordern eines einfachen Arbeitszeugnisses

Das einfache Arbeitszeugnis stellt nur eine Tätigkeitsbeschreibung dar und kann solange verlangt werden, wie das Unternehmen über die Unterlagen zum Mitarbeiter verfügt.

Frist zum Anfordern eines qualifizierten Arbeitszeugnisses

Im Gegensatz dazu sind beim qualifizierten Arbeitszeugnis zeitliche Fristen zu beachten. Diese lassen sich nach Wichtigkeit aufteilen in:

  • arbeitsvertragliche Fristen
  • tarifvertragliche Fristen
  • gesetzliche Fristen
  • Urteile aus der Rechtsprechung

Vertragliche Fristen hebeln gesetzliche Fristen aus. Inhaltlich handelt es sich dabei meist um eine Verkürzung der Ausschlussfrist. Versäumen Sie die Frist, ist Ihr Anspruch auf ein Arbeitszeugnis erloschen.

Arbeitsvertrag

Prüfen Sie zunächst Ihren Arbeitsvertrag auf entsprechende Klauseln. Ausschlussfristen haben oft folgendes Muster:

„Ansprüche, die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergeben, müssen innerhalb von vier Wochen nach ihrer Fälligkeit schriftlich geltend gemacht werden. Bei nicht rechtzeitiger Geltendmachung verfallen die Ansprüche.“

Der Passus aus dem Beispiel besagt, dass der Mitarbeiter nach Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis vier Wochen Zeit hat, das Arbeitszeugnis schriftlich einzufordern. Versäumt er das, hat er keinen Anspruch mehr auf Ausstellung eines Arbeitszeugnisses.

Tarifvertrag

Wenn der Arbeitsvertrag keine Klauseln enthält, wird der Tarifvertrag überprüft. Leider liegt Ihnen oft keine aktuelle Fassung vor. Informieren Sie sich daher beim Personalrat, dem Betriebsrat oder der Gewerkschaft. Diese Institutionen helfen Ihnen bei Fragen oder im Zweifelsfall weiter.

Gesetzliche Fristen

§ 195 BGB „Regelmäßige Verjährungsfrist“ definiert eine Verjährungsfrist von 3 Jahren. Das Anrecht auf ein Arbeitszeugnis gilt also nach drei Jahren als verjährt. Die Verjährung beginnt nach § 199 BGB „Beginn der regelmäßigen Verjährungsfrist“ mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses entstanden ist.

Urteile aus der Rechtsprechung

Leider ist die gesetzliche Sachlage nicht ganz so eindeutig. Eine besondere Bedeutung steht nämlich den Urteilen des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) zu. Die gesetzliche Verjährungsfrist hat das Landesarbeitsgericht Hamm im Urteil vom 09.09.2000, Az.: 4 Sa 714/99 auf 1 Jahr verkürzt. Der Zeugnisanspruch gilt als verwirkt, wenn der Arbeitnehmer nicht innerhalb eines Jahres das Arbeitszeugnis verlangt hat.

Wann fordere ich das Arbeitszeugnis am besten an?

Wir empfehlen Ihnen, das Arbeitszeugnis bereits VOR Beendigung des Arbeitsverhältnisses anzufordern. Ihr Eindruck auf den Vorgesetzten ist frisch, Ihre Qualifikationen bekannt und letztendlich haben Sie noch genug Einflussmöglichkeiten auf den Inhalt des Arbeitszeugnisses. Haben Sie das Unternehmen erst mal verlassen, kommen Sie an den Vorgesetzten nicht mehr so leicht heran. Zudem ist das Arbeitszeugnis oft für Bewerbungen im auslaufenden Dienstverhältnis notwendig.

Tipp: vorläufiges Arbeitszeugnis
Wenn die Kündigung bereits ausgesprochen wurde, stehen Sie noch einige Zeit im Arbeitsverhältnis. Sie haben aber sofort Anspruch auf ein vorläufiges Arbeitszeugnis. Das vorläufige Arbeitszeugnis hat den gleichen Inhalt, wie das spätere Endzeugnis und ist für Bewerbungen wichtig. Nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses wird der Inhalt unverändert in das Arbeitszeugnis übernommen. Abweichungen ergeben sich nur dann, wenn Sie zwischenzeitlich neue Aufgaben wahrgenommen oder sich neue Situationen ergeben haben.

Muster-Brief 1: Arbeitszeugnis in der Kündigung anfordern

Wenn Sie eine Eigenkündigung aussprechen, empfehlen wir Ihnen, dass Arbeitszeugnis mit der Kündigung anzufordern.

Max Mustermann

Musterstraße 5

01277 Musterhausen

Muster GmbH

An Waldallee

01011 Marseburg

Musterhausen, 30.06.2017

Kündigung des Arbeitsverhältnisses

Sehr geehrter Herr Muster,

hiermit kündige ich das mit Ihnen bestehende Arbeitsverhältnis, das wir am 21.09.2008 geschlossen haben, ordentlich und fristgerecht unter Berücksichtigung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist zum 31.12.2014. Mein letzter Arbeitstag ist demnach der 31.03.2015.

Ich bedanke mich für die gute und kollegiale Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Ich konnte viel in diesem Unternehmen lernen und bin für die stets angenehme Unterstützung sehr dankbar.

Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung und das Aufhebungsdatum des Arbeitsvertrages schriftlich.

Ich bitte Sie, mir ein qualifiziertes berufsförderndes Arbeitszeugnis auszustellen.

Für die Zusammenarbeit bedanke ich mich recht herzlich.

Mit freundlichen Grüßen

Max Mustermann

Muster-Brief 2: Arbeitszeugnis separat anfordern

Wenn Sie das Arbeitszeugnis nicht über die Eigenkündigung angefordert haben, dann sollten Sie Ihren Anspruch über ein separates Schreiben äußern. Ist das Beschäftigungsverhältnis bereits beendet, dann bietet sich das Setzen einer zeitlichen Frist an. Tragen Sie als Frist das Tagesdatum des Schreibens zuzüglich 2 Wochen ein.

Max Mustermann

Musterstraße 12

01099 Musterort

Telefon: 01235 4567889

Mail: max.mustermann@provider.de

Muster GmbH

An Waldallee

01011 Marseburg

Musterhausen, 30.06.2017

Bitte um Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Arbeitsverhältnis bei Ihnen ist seit dem xx.xx.xxxx beendet. Daher bitte ich Sie um die Ausstellung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses über mein Dienstverhältnis bei Ihnen.

Als Anlage finden Sie eine Aufstellung meiner ausgeübten Tätigkeiten, Aufgaben und Verantwortungsbereiche.

Da ich das Arbeitszeugnis dringend benötige, bitte ich um kurzfristige Ausstellung bis zum XX.XX.XXXX.

Gerne stehe ich Ihnen für Rückfragen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Max Mustermann

Was kann ich tun, wenn ich trotz Anforderung kein Arbeitszeugnis erhalte?

Mahnen Sie den Arbeitgeber zunächst schriftlich ab. Die Abmahnung ist ein Schreiben analog des obigen Musterschreibens „Arbeitszeugnis separat anfordern“. Fordern Sie den Arbeitgeber darin wiederholt auf, Ihnen ein einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen. Es bietet sich an, dem Schreiben einen eigenen Entwurf für das Arbeitszeugnis beizulegen. Das mindert den Aufwand beim Arbeitgeber und bietet Ihnen mehr Kontrolle über den Inhalt. Setzen Sie dem Unternehmen nochmals eine Frist von zwei Wochen ab Zugang des Mahnschreibens.

In besonderen Härtefällen können Sie auch ankündigen, den Anspruch auf die Erteilung eines Arbeitszeugnisses nach Ablauf der Frist gerichtlich einzuklagen. Lassen Sie das Mahnschreiben am besten per Einschreiben mit Rückschein zustellen.

Der Arbeitgeber weigert sich weiterhin, mir ein Arbeitszeugnis auszustellen

Wenn Ihrer Bitte nach Ablauf der Frist immer noch nicht nachgekommen wurde, können Sie den Anspruch vor dem Arbeitsgericht mit einer Zeugnisklage geltend machen. Ein Rechtspfleger hilft Ihnen bei der Formulierung der Klage oder Sie wenden sich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Im Erfolgsfall wird der Arbeitgeber dazu verurteilt, Ihnen ein einfaches oder ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen.

Hinweis: Recht auf Schadenersatz
Wenn der Arbeitgeber die Ausstellung des Arbeitszeugnisses ablehnt, das Zeugnis verspätet ausstellt, der Inhalt nicht korrekt ist oder eine berechtigte Korrektur abgelehnt wurde UND Ihnen dadurch ein Schaden entstanden ist, können Sie Schadenersatz verlangen. Der Schaden resultiert meist aus dem Verdienstausfall, wenn Sie infolge des fehlenden Arbeitszeugnisses keine Anstellung gefunden oder eine Stelle mit schlechteren Rahmenbedingungen wahrgenommen haben. Die Beweislast für den entstandenen Schaden liegt bei Ihnen als Arbeitnehmer.

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